Quo Vadis, Ochsenfurter FV
Nach der 1:3-Heimniederlage wachsen die sportlichen Sorgen – Platzverweis sorgt für Diskussionen, doch die Probleme des OFV liegen tiefer
Ochsenfurt. Es war ein Spiel, das eigentlich eine besondere Kulisse verdient gehabt hätte. Als einzige Mannschaft der Kreisklasse Würzburg 2 trat der Ochsenfurter FV an diesem Spieltag erst um 17 Uhr an und lockte damit zahlreiche zusätzliche Zuschauer auf die Maininsel. Doch während sich bereits gegen 17.30 Uhr dunkle Wolken am Himmel zusammenbrauten, verdüsterte sich auch die sportliche Stimmung beim OFV zunehmend. Am Ende stand eine 1:3-Niederlage – und vor allem die Frage: Quo vadis, Ochsenfurter FV?
Was beide Mannschaften in der ersten Halbzeit zunächst anboten, hatte nur wenig mit dem zu tun, was von Teams in einer Kreisklasse erwartet werden darf. Die Partie war geprägt von Fehlpässen, fehlendem Tempo, kaum vorhandener Zielstrebigkeit und einer bemerkenswert geringen Bereitschaft, offensiv ins Risiko zu gehen. Zeitweise entstand tatsächlich der Eindruck eines gegenseitigen Nicht-Angriffspaktes.
Dass hier zwei Mannschaften aufeinandertrafen, die dringend Punkte benötigten, war kaum zu erkennen. Gerade einmal drei Eckbälle – 2:1 für die Gäste – und jeweils zwei nennenswerte Torschüsse unterstrichen, wie wenig sich vor beiden Toren ereignete. Kampf um jeden Meter, Entschlossenheit und die notwendige Konsequenz eines Kellerduells? Über weite Strecken Fehlanzeige.
Und dennoch ging der OFV in Führung. In der 36. Minute setzte Nico Hemkeppler auf der rechten Seite einen der wenigen wirklich überzeugenden Ochsenfurter Angriffe in Szene. Seine sehenswerte Hereingabe fand Louis Angly, der die Vorarbeit spektakulär zum 1:0 verwertete. Eine Führung, die angesichts des bisherigen Spielverlaufs durchaus überraschend kam.
Nur wenige Minuten später folgte die Szene, die für erheblichen Diskussionsstoff sorgte. Noch vor der Mittellinie in der Ochsenfurter Hälfte geriet OFV-Spieler Mohammed Al-Hassan Al-Thala in einen Zweikampf mit seinem Gegenspieler. Aus Sicht der Gastgeber wurde Al-Hassan Al-Thala zunächst am Trikot gehalten und versuchte, sich aus dieser Situation zu lösen. Im weiteren Verlauf des Zweikampfes kam der Gästespieler zu Fall.
Während Spieler und Zuschauer auf Ochsenfurter Seite mit einem Freistoß für den OFV und möglicherweise einer Verwarnung gegen den Gästespieler rechneten, bewertete der Unparteiische die Situation völlig anders: Rote Karte gegen Al-Hassan Al-Thala wegen der Verhinderung einer klaren Torchance als letzter Verteidiger und genau das war es nicht, nämlich die Verhinderung einer klaren Torchance, waren es doch noch 45 Meter bis zum Tor. Was hätte da noch alles geschehen können?
Eine Entscheidung, die auf Ochsenfurter Seite völliges Unverständnis hervorrief und die auch deshalb besonders diskutiert wurde, weil der Spielleiter über langjährige Erfahrung im Sportgerichtswesen des Bayerischen Fußball-Verbandes verfügt. Aus Sicht des OFV war die Szene jedenfalls grundlegend anders zu bewerten. Für den weiteren Verlauf der Partie hatte der Platzverweis erhebliche Auswirkungen.
Trotz Unterzahl retteten die Gastgeber die Führung zunächst in die Pause. Mehr noch: Sajad Kazem traf in der 44. Minute mit einem wuchtigen Abschluss nur den Pfosten. Das mögliche 2:0 unmittelbar vor dem Seitenwechsel hätte dieser Begegnung womöglich eine völlig andere Richtung geben können.
Doch gerade die zweite Halbzeit muss den Verantwortlichen des Ochsenfurter FV zu denken geben.
Natürlich spielte der OFV mit einem Mann weniger. Doch Unterzahl allein kann nicht erklären, was sich nach dem Seitenwechsel entwickelte. Statt mit klarer Ordnung, hoher Laufbereitschaft und mannschaftlicher Geschlossenheit den knappen Vorsprung zu verteidigen, verfielen die Gastgeber zunehmend in Hektik. Fehlpässe häuften sich, Einzelaktionen liefen ins Leere, Entlastungsangriffe blieben Mangelware. Ein erkennbarer Plan, wie die Mannschaft die Führung über die Zeit bringen oder selbst noch einmal gefährlich werden wollte, war kaum auszumachen.
Spätestens eine Serie von Eckbällen ab der 61. Minute ließ erahnen, wohin sich die Begegnung entwickeln würde. Passend dazu zog auch über der Maininsel das Gewitter immer näher. In der 72. Minute fiel schließlich der Ausgleich. Und spätestens jetzt verlor der OFV zunehmend seine LiniStatt einer Reaktion folgten weitere Unsicherheiten. Spielerisch blieb vieles Stückwerk, die Gastgeber wirkten zunehmend hilflos und fanden kaum noch Möglichkeiten, sich aus dem Druck zu befreien. Auch die personellen Veränderungen brachten nicht die erhoffte Stabilität oder neue Impulse.
Die Konsequenz war bitter, aber nach dem Verlauf der zweiten Halbzeit nicht überraschend. In der 82. Minute drehten die Gäste die Partie zum 1:2, in der vierten Minute der Nachspielzeit fiel schließlich das 1:3. Der Schlusspunkt unter einen Nachmittag, der beim Ochsenfurter FV viele Fragen hinterlässt.
Dass der OFV-Trainer unmittelbar nach Spielende das Stadion verließ und für eine Stellungnahme nicht mehr zur Verfügung stand, passte dabei ins Gesamtbild eines enttäuschenden Tages.
Nach vier Spieltagen und bereits drei Niederlagen kann die Vereinsführung die Entwicklung nicht einfach als Momentaufnahme abtun. Noch ist die Saison jung, noch lässt sich vieles korrigieren. Gerade deshalb wäre es gefährlich, die erkennbaren Probleme kleinzureden oder ausschließlich äußeren Umständen zuzuschreiben.
Der umstrittene Platzverweis hat dieses Spiel zweifellos beeinflusst. Er darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass beim OFV grundsätzliche sportliche Defizite sichtbar wurden: fehlende Struktur, zu viele einfache Ballverluste, mangelnde Durchschlagskraft und insbesondere in schwierigen Spielphasen kaum erkennbare Lösungen.
Auch strukturell stellt sich die Frage, ob die derzeitige Aufgabenverteilung auf Dauer sinnvoll ist. Die Doppelfunktion von Nico Hemkeppler als Verantwortlichem im sportlichen Bereich und gleichzeitig aktivem Spieler verdient zumindest eine kritische Überprüfung. Gerade in einer sportlich schwierigen Phase braucht es klare Zuständigkeiten, eine nüchterne Analyse von außen und Verantwortliche, die während und nach den Spielen uneingeschränkt handlungsfähig sind.
Panik wäre nach vier Spieltagen sicherlich der falsche Ratgeber. Untätigkeit allerdings ebenso.
Der Ochsenfurter FV steht deshalb früher als erwartet vor einer wichtigen Weichenstellung. Mannschaft, Trainer und Vereinsführung müssen sich gemeinsam und selbstkritisch fragen, warum die bisherigen Auftritte nicht den Erwartungen entsprechen und mit welchen konkreten Maßnahmen eine Trendwende erreicht werden soll.
Denn eines hat diese 1:3-Niederlage deutlich gemacht: Es geht längst nicht mehr nur um einen verlorenen Nachmittag auf der Maininsel. Es geht darum, rechtzeitig zu verhindern, dass aus einem misslungenen Saisonstart eine sportliche Abwärtsspirale wird.
Quo vadis, Ochsenfurter FV? Die Antwort darauf sollte nicht erst in einigen Wochen gegeben werden.
Gastkommentar und Foto: Walter Meding (Main-Tauber-Kurier)
